Vergangene Fastenaktionen
Die Fastenaktion "7 Wochen Ohne" wurde 1983 gegründet. Hier finden Sie die Mottos vergangener Fastenzeiten.

Der Ehrliche ist immer der Dumme – diese Alltagsweisheit bringt es auf den Punkt: Wer nicht schummelt und trickst, sondern ehrlich zu Fehlern und Schwächen steht, zieht den Kürzeren. Die Anlässe für die kleinen und großen Bluffs sind Legion. Nicht nur in Bewerbungsschreiben oder Steuererklärungen wird die Wahrheit gern „gerundet“ präsentiert, auch Missgeschicke und Rücksichtslosigkeiten im Miteinander kaschiert man gern mit einer guten Story zugunsten des eigenen Rufs. Und wie steht es erst bei Fehlern von großer Tragweite? Kaum ein Verursacher hebt die Hand, ruft: „Ich war’s“ und übernimmt die Verantwortung. Wär’ ja auch schön blöd, oder? Wir behaupten mindestens sieben Wochen lang das Gegenteil – und laden Sie dazu ein, es auszuprobieren. Denn all die leichthin formulierten Halbwahrheiten haben ihren Preis. Wer sich mit Ausreden aus einer misslichen Lage befreit, vertuscht damit nicht nur seine Fehler, sondern auch immer ein bisschen sich selbst. Er stiehlt sich nicht nur aus der Verantwortung, er stiehlt sich auch selbst die Verantwortung – und bringt sich damit um die eigenen Handlungsoptionen. Wer nicht aufrichtig zu seinen Taten stehen kann, dem kommt mitunter der aufrechte Gang ganz abhanden.
Wir schlagen daher vor, das Motto „Ich war’s! 7 Wochen ohne Ausreden“ durchaus als Befreiungsschrei zu proben. Gönnen Sie sich die Ehrlichkeit, genauso gut oder schlecht dazustehen, wie Sie den Alltag eben so meistern. Auszusteigen aus dem Schwarzen-Peter-Spiel. Und Ihre Mitmenschen mit genau der Großzügigkeit und Nachsicht zu behandeln, die ihnen Gleiches erlaubt. „Was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache“, schreibt Paulus an die Korinther (1. Kor 1,27). Damit hat der ehrliche Dumme einen starken Partner, der für ihn einsteht.
Legen Sie los – wann sagen Sie das erste Mal: „Ich war’s“?

Unsere vernetzte Welt bietet widersprüchlichen Luxus: Kommunikation rund um die Uhr, ohne unbedingt zu wissen, mit wem; Kontakte rund um den Globus, aber nicht mit den eigenen Nachbarn.
Die virtuellen Verknüpfungen im globalen Dorf machen vieles schneller, einfacher und bequemer – aber die Wege zueinander werden doch nicht kürzer. Will ich den anderen wirklich erreichen, dann ist das immer noch Handarbeit. Gemeinschaft lebt von der Begegnung – von Angesicht
zu Angesicht, mit offenem Visier, ohne doppelten Boden.
Die Fastenaktion »7 Wochen Ohne« im Jahr 2010 will Sie ermuntern zum Wagnis und zum Luxus leibhaftiger Nähe. Sie will Raum schaffen, Ihnen Worte und Bilder mit auf den Weg geben, für ein Streitgespräch, einen Krankenbesuch oder eine überfällige Liebeserklärung. Für alles, was nicht in eine SMS oder E-Mail passt. »Näher!«, lautet unser Lockruf, mit dem wir Sie einladen, Robinson’sche Einsamkeiten aufzugeben, Bündnisse auszuhandeln, Überraschungsbesuche zu machen, eingeschlafene Kontakte aufzuwecken und einander die Freundschaft zu erklären. Wagen Sie sich aus der Deckung und richtig nah dran, kosten Sie beides aus: die Gänsehaut des Genusses wie der Gefahr. Erkunden Sie die eigenen Grenzen wie auch die Ihrer Nächsten, ignorieren Sie sie nicht, aber prüfen Sie eine Verlegung: hin zu mehr Berührung, mehr Begegnung, mehr Zusammen.
»Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei« – das ist Gottes Absicht und zugleich ein Segen. Als gottebenbildliche Geschöpfe sind wir zutiefst gesellig. Lassen Sie sich das in der Passionszeit gesagt sein – und sagen Sie es weiter –, gönnen Sie sich und anderen sieben Wochen ohne Scheu.

Wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, ein Kind in die Welt zu setzen? Sollte man nicht zuerst einen sicheren Job haben und eine vernünftige Wohnung? Und überhaupt: Ist die Partnerin oder der Partner dafür richtig? Und wann ist der Tag gekommen, über das Wohnen im Alter nachzudenken? Hat das nicht noch viel, viel Zeit? Patientenverfügung, Testament? Nutzen Sie die kommenden sieben Wochen der Fastenzeit, um sich darüber klarzuwerden, wie Sie sich vom Ballast vor sich her geschobener Entscheidungen befreien können. Fassen Sie Mut, sich zu bekennen. Werden Sie sich dabei bewusst, dass die Gnade Gottes größer ist als alle Vernunft. Oder wie es Paul Gerhardt formuliert hat:
Unverzagt und ohne Grauen
soll ein Christ, wo er ist,
stets sich lassen schauen.
Wollt ihn auch der Tod aufreiben,
soll der Mut dennoch gut
und fein stille bleiben.
Es geht nicht darum, Dinge nassforsch übers Knie zu brechen. Manchmal ist es der schwerste Entschluss, sich selbst gegenüber zuzugeben, dass man sich der Qual des Abwägens aussetzen muss, anstatt den unangenehmen Fragen einfach auszuweichen. Wer verantwortungsbewusst leben möchte, muss auf das Ergebnis seines Handelns achten und möglicherweise Versuchungen und Verlockungen widerstehen, muss es sich schwermachen.
Die Lebenserfahrung wie auch zahlreiche biblische Schilderungen belegen: Verantwortete Entscheidungen machen frei.
Ja und Nein sagen, den nächsten Schritt machen, Abschied nehmen von längst als falsch Erkanntem öffnet neue Horizonte und lässt uns Vertrauen in die Kraft Gottes gewinnen. Zaudern Sie nicht!

Einige von Ihnen werden vom Motto für »7 Wochen Ohne« 2008 freundlich gesagt etwas irritiert gewesen sein. Eine Fastenaktion fordert zum Verschwenden auf? In der Unterzeile »7 Wochen ohne Geiz« steckt die Antwort. Das neue Kuratorium der Aktion hat sich für »Verschwendung!« entschieden, weil die Menschen in unserer Welt dringend einen Frühling der Herzen brauchen. Die ständigen Fragen – was bringt es mir? was nützt es? –, die Erwartung, dass man für heute Investiertes schon morgen Erträge bekommen müsse, tötet jede spontane Geste. Eine geizige Welt schliddert in eine zweite, in eine soziale Klimakatastrophe – außen die Erderwärmung, innen die Eiszeit kalter Berechnung. Wenn alle aufhören, mit ihren Gaben zu geizen – seien sie materieller, seelischer oder geistiger Art –, dann taut das Eis in den Herzen.
Wer den Weg Jesu von Kanaan nach Golgatha begleitet, wird rasch erkennen, was das Göttliche im Menschen ist.
Verschwenderische Liebe nährt. Also: Fasten Sie und verschwenden Sie Zeit an Ihre Freunde, verschwenden Sie Ihr Geld für eine gute Sache, verschwenden Sie Liebe, genießen Sie, bleiben Sie genießbar.